Wer die Donau flussabwärts von Regensburg fährt, sieht nach wenigen Kilometern einen weißen Marmorblock auf dem Bräuberg bei Donaustauf aufragen. Die Walhalla ist Bayerns bekannteste Ruhmeshalle: ein klassizistischer Tempel, der seit 1842 über der Donau steht und Persönlichkeiten deutscher Sprache und Kultur Raum gibt. Dieser Beitrag erzählt ihre Geschichte, erklärt Klenzes Entwurf und gibt praktische Hinweise für den Besuch.
Ein König, ein Architekt und eine Idee
Die Walhalla geht auf den bayerischen Kronprinzen und späteren König Ludwig I. zurück. Bereits 1807, noch unter dem Eindruck der napoleonischen Besatzung, fasste er den Plan, eine Gedenkstätte für herausragende Persönlichkeiten deutscher Sprache zu errichten. Der Name greift bewusst die nordische Mythologie auf: In der Edda ist Walhall der Saal, in dem die gefallenen Helden weiterleben. Ludwig übertrug das Bild auf ein bürgerlich-nationales Pantheon, das nicht Krieger, sondern Dichter, Denkerinnen und Forscher versammeln sollte.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig nahm das Vorhaben politisch Gestalt an. Mit der Ausführung beauftragte der König seinen Hofarchitekten Leo von Klenze, der zuvor schon die Münchner Residenz, die Glyptothek und Jahre später auch die Befreiungshalle in Kelheim entwarf. Klenze wählte für den Bauplatz den Bräuberg hoch über der Donau, weil dort Landschaft, Sichtachsen und die Symbolik des Flusses zusammenspielten. Die Donau als europäischer Strom, der Tempel als geistiger Mittelpunkt – die Inszenierung war Programm.
Ab 1830 wurde gebaut, am 18. Oktober 1842 – dem 29. Jahrestag der Völkerschlacht – weihte Ludwig I. den Tempel feierlich ein. Die Baukosten von vier Millionen Gulden entsprechen heute rund 82 Millionen Euro. Finanziert hat der König den Großteil aus seinem Privatvermögen; er verstand die Walhalla ausdrücklich als persönliches Geschenk an die deutschsprachige Kulturgemeinschaft, noch bevor es einen deutschen Nationalstaat gab.
Architektur: ein dorischer Tempel über 358 Stufen
Klenze orientierte sich am Parthenon in Athen, passte die Proportionen aber an die bayerische Kulisse an. Die gesamte Anlage misst 125 Meter in der Länge und 55 Meter in der Höhe, das Tempelhaus selbst ist 66,7 Meter lang, 31,6 Meter breit und 20 Meter hoch. 358 Stufen führen vom Donauufer zum Portikus hinauf – ein bewusst ritueller Aufstieg, der den Tagesausflug zur Pilgerreise macht.
Innen empfängt ein 48,5 Meter langer Marmorsaal die Besucherinnen und Besucher. Die Walls sind in rotem, grünem und weißem Marmor ausgelegt, oben trägt eine kassettierte Holzdecke mit Sternen das Licht. Ursprünglich standen 1842 genau 96 Büsten und 64 Gedenktafeln bereit. Inzwischen sind es 132 Büsten und 65 Tafeln, zuletzt kam 2023 die Komponistin und Pianistin Clara Schumann hinzu. Aufgenommen werden kann, wer seit mindestens zwanzig Jahren verstorben ist und der deutschen Sprache zuzurechnen ist – ein Kriterium, das den Kreis bewusst weit fasst.
Regensburger Motive für zuhause
Anfahrt, Öffnungszeiten und Eintritt
Donaustauf liegt rund zehn Kilometer östlich von Regensburg. Mit dem Auto erreicht man die Walhalla über die B8 oder die Staatsstraße 2125; am Fuß des Bräubergs stehen mehrere gebührenpflichtige Parkplätze bereit. Wer sportlich unterwegs ist, nimmt die 358 Stufen der Freitreppe direkt vom Donauufer hinauf – ein Aufstieg, der etwa eine Viertelstunde dauert und den Blick schrittweise freigibt. Oben angekommen, verteilt sich die Ankunft auf die lange Terrasse, selbst an sonnigen Sommertagen gibt es selten Gedränge.
Deutlich stimmungsvoller ist die Anreise per Schiff. In der Saison fahren die Personenschiffe der Regensburger Donauschifffahrt mehrmals täglich vom Steinernen Brückenfuß aus und legen direkt unterhalb des Tempels an. Die Fahrt dauert rund 45 Minuten, und der Donauabschnitt zwischen Regensburg und Donaustauf gehört zu den schönsten Flussperspektiven der Region. Wer Regensburg kennenlernen möchte, kombiniert den Ausflug gut mit einem Spaziergang über die Steinerne Brücke und einer Altstadtrunde rund um Dom und Wurstkuchl.
Die Ruhmeshalle wird von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut und ist das ganze Jahr geöffnet – im Sommerhalbjahr mit langen Öffnungszeiten, im Winter verkürzt und an wenigen Feiertagen geschlossen. Der Eintritt ist moderat, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei. Eine kleine Ausstellung im Untergeschoss erklärt Bau- und Aufnahmegeschichte, und der Freilichtbereich lädt zum Verweilen ein.
Heimatlinien-Tipp: Licht, Aussicht und Perspektiven
Der schönste Moment an der Walhalla ist nicht unbedingt der Blick durch die Säulen auf die Büsten, sondern der Ausblick vom Portikus donauabwärts. Besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief steht und der Fluss sich silbern Richtung Niederbayern zieht, wirkt die Kulisse fast theatralisch. Im Winter liegt häufig Nebel im Donautal, dann scheint der Tempel zu schweben.
Wer den Ausflug im Kopf behalten möchte, findet bei uns Aquarelle aus Regensburg und Umgebung sowie regional sortierte Postkartenmotive – handgezeichnet, klimaneutral gedruckt und in der Region produziert. Die Walhalla ist als Motiv auf dem Kaffeebecher erhältlich, und der Kalender bringt zwölf Regensburger Blickwinkel durchs Jahr. Schauen Sie vorbei – Ihr nächster Blick über die Donau könnte schon an Ihrer Wand hängen.
Quellen & Bildnachweise
Quellen
Bildnachweise
- Titelbild: Walhalla, Donaustauf von Elena Marie Meyer, CC-BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
