Wer von der Donau aus nach Kelheim blickt, sieht zuerst sie: die Befreiungshalle. Der gelbe Rundbau auf dem Michelsberg ist 45 Meter hoch, aus heimischem Kelheimer Kalkstein gemauert und seit 1863 das Wahrzeichen der Stadt. Wir erzählen die Geschichte dieses klassizistischen Denkmals — und verraten, warum sich der kurze Aufstieg für jeden Ausflug in die Region Kelheim lohnt.
Ein Denkmal für die Befreiungskriege
König Ludwig I. von Bayern gab die Befreiungshalle 1842 in Auftrag. Erinnern sollte sie an die sogenannten Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich zwischen 1813 und 1815 — Schlachten wie Leipzig und Waterloo, an denen auch bayerische Truppen beteiligt waren. Für den königlichen Bauherrn, der selbst ein leidenschaftlicher Kunstförderer war, sollte das Denkmal zugleich ein Ausdruck nationaler Einheit und ein Zeichen für den kulturellen Anspruch Bayerns sein.
Den ersten Entwurf lieferte Friedrich von Gärtner, doch erst Leo von Klenze — derselbe Architekt, der auch Walhalla, Ruhmeshalle und Propyläen in München entwarf — führte den Bau 1863 zur Vollendung. Nach Gärtners Tod 1847 übernahm Klenze das Projekt und verschlankte die ursprünglich überladene Planung zu einem strömungsvollen klassizistischen Rundbau. Die Einweihung fand am 18. Oktober 1863 statt, genau 50 Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Wer sich für Klenzes Handschrift begeistert, findet auch im Regensburger Umland weitere Beispiele — etwa in unserem Artikel über die Geschichte der Steinernen Brücke, deren Umgebung von seinen Zeitgenossen geprägt wurde.
Maße, Marmor und 34 Victorien
Klenzes Rundbau folgt antiken Vorbildern: ein zentraler Kuppelraum von 29 Metern Durchmesser, umgeben von achtzehn Strebepfeilern an der Außenseite. Oben auf jedem Pfeiler thront eine allegorische Figur, unten laufen die Wandplätze in Inschriften ab, die an die Schlachten der Befreiungskriege erinnern. Der gelbe Kelheimer Kalkstein, der hier verbaut wurde, stammt aus den Steinbrüchen der unmittelbaren Umgebung — dasselbe Material, das auch viele Häuser der Altstadt prägt.
Im Inneren erwartet Besucherinnen und Besucher eine der eindrucksvollsten Skulpturen-Anordnungen Bayerns: 34 marmorne Victorien, die Siegesgöttinnen, stehen paarweise im Kreis und halten bronzene Schilde über ihren Köpfen. Blickt man nach oben, öffnet sich eine gewaltige Kassettendecke, deren Sterne einst vergoldet waren. Zwischen 2015 und 2018 wurde das Bauwerk aufwändig saniert; Fassade und Inschriften erstrahlen seitdem wieder in ihrer historischen Farbigkeit, und auch das Innenleuchten der Goldsterne ist zurückgekehrt.
Kelheim-Motive aus dem Heimatlinien-Shop
Aussicht über Donau und Altmühltal
Der wahre Schatz der Befreiungshalle ist der Blick, den sie freigibt. Vom Rundgang an der Kuppel schweift das Auge über den Donaudurchbruch bis hinüber zum Kloster Weltenburg, über die Altmühlmündung und die Dächer der Kelheimer Altstadt. An klaren Tagen reicht der Blick bis weit ins Altmühltal und auf die bewaldeten Höhen des Jura. Wer im April oder Mai hinaufsteigt, sieht unten die ersten Schifffahrtsschiffe ihre Saison eröffnen.
Für Fotografen und Aquarellfreunde ist das weiche Licht am späten Nachmittag besonders schön: Dann leuchtet der Kalkstein warm, die Donau glitzert silbern und die Wiesenhänge des Michelsbergs färben sich goldbraun. Viele Motive unserer handgezeichneten Postkarten haben genau hier ihren Ursprung — darunter auch zarte Skizzen der Befreiungshalle, die den Kontrast zwischen gelbem Stein und blauem Himmel einfangen.
Anfahrt und Zeitplan
Die Befreiungshalle liegt auf dem Michelsberg, rund 1,5 Kilometer westlich der Kelheimer Altstadt. Wer zu Fuß geht, erreicht sie in etwa 30 Minuten über einen schattigen, abschnittsweise steilen Pfad durch den Buchenwald — ein lohnender Aufstieg mit immer wieder neuen Ausblicken zwischen den Bäumen. Mit dem Auto sind es nur wenige Minuten über die Befreiungshallestraße; direkt am Eingang gibt es Parkmöglichkeiten, die im Sommer schnell belegt sind.
Für den Besuch selbst sollten Sie mindestens eine Stunde einplanen, besser anderthalb. Im Sommer ist es angenehm kühl im Inneren der Kuppel; im Winter lohnt sich ein Schal, da der Bau nicht beheizt ist. Wer mag, kombiniert den Ausflug mit einer Schifffahrt durch den Donaudurchbruch — die Anlegestelle liegt nur wenige hundert Meter vom Fuß des Berges entfernt. So wird aus der Befreiungshalle ein idealer Start- oder Endpunkt eines entspannten Halbtages an der Donau.
Heimatlinien-Tipp
Unser Lieblingstag in Kelheim beginnt mit einem Spaziergang durch die Altstadt, führt über den Michelsberg hinauf zur Befreiungshalle und endet mit einem Dunkelbier im Biergarten des Klosters Weltenburg. Wer diesen Tag in Erinnerung behalten möchte, bringt sich eine handgezeichnete Postkarte mit — oder einen Kaffeebecher mit dem Befreiungshallen-Motiv, der jeden Morgen zu Hause kurz an die Donau zurückholt. Unsere Kelheimer Aquarelle sind genau dafür gemacht. Schauen Sie vorbei und nehmen Sie Ihr Lieblingsmotiv mit nach Hause.
Quellen & Bildnachweise
Quellen
- Wikipedia: Befreiungshalle
- Bayerische Schlösserverwaltung: Befreiungshalle Kelheim
- Tourist-Information Kelheim
Bildnachweise
- Titelbild: Befreiungshalle Hall of Liberation Kelheim.jpg von Richard Bartz, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
